5.5.3 Die neue Lehrerbildung

Auf Grund der „Empfehlungen“ zur Lehrerbildung und zu den Pädagogischen Hochschulen der EDK vom 26. Oktober 1995 hatten die Kantone 10 Jahre Zeit zur Anpassung. Auch mit diesem Thema befasste sich der Ausschuss der KMS bereits am 19. Januar 1996. Der zu verarbeitende Berg an Unterlagen war hier am allergrössten. Und die Gefahr, dass Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen und Lehrer zukünftig ohne genügende musikalische Fähigkeiten in ihren Klassen stehen und damit die breite Verankerung unserer musikalischen Kultur gefährden würden, war allen Beteiligten bewusst. Im September sandten wir allen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren gemeinsam mit dem Schweizer Musikrat einen von mir entworfenen und vom Ausschuss überarbeiteten Brief und legten unsere Forderungen bei:

Forderungen zur Lehrerbildung

Grundsätzlich begrüssen wir es, dass alle Lehrkräfte für die obligatorische Schule künftig an Pädagogischen Hochschulen ausgebildet werden sollen. Dabei zählen wir darauf, dass keine Billiglösungen angeboten und überall die geforderten 3 Jahre Ausbildungsdauer eingehalten werden. Mit allem Nachdruck möchten wir darauf hinweisen, dass die musikalische Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer für die Kultur unseres Landes von entscheidender Bedeutung ist und daher mit gezielten Massnahmen sichergestellt werden muss. Diesbezüglich erachten wir die Formulierung im bernischen Lehrerbildungsgesetz (für die Ausbildung zum Primarlehrer der Eingangs- und der Primarstufe) als beispielhaft: 'Die Zulassung .... setzt überdies Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten in Musik sowie in zeichnerisch/bildnerischem Gestalten und Werken voraus' (Art. 5.1).

Es ist zu unterscheiden zwischen Lehrkräften der Eingangsstufe und der Primarstufe einerseits und der Sekundarstufe I anderseits.

Lehrkräfte der Eingangsstufe (-2 bis +2) und der Primarstufe (3 bis 4, 5, 6)sind als Allrounder auszubilden, weil sie als Klassenlehrer zu wirken und sämtliche Fächer zu unterrichten haben. Sie müssen deshalb auch für Fächer wie Zeichnen, Werken und Musik über klare Kompetenzen verfügen. Im Falle der Musik bedeutet das nicht nur ein gutes Gehör und eine gute Stimme, sondern auch die Beherrschung der elementaren Musiktheorie und die Kenntnis von vielen Liedern, Musizierstücken und Schultänzen sowie fortgeschrittenes Spiel auf einem Instrument.

Diese Grundlagen müssen unbedingt bereits in der Jugend und während der Mittelschulzeit erworben werden. Leider kann auch das neue Maturitäts-Anerkennungs-Reglement MAR diese grundlegenden Kenntnisse bei Maturanden nicht garantieren. In der Berufsausbildung für die Eingangs- und die Primarstufe sind eine breite Verankerung der Musik und ihrer Didaktik, Musiziermöglichkeiten in Ensembles und Chören und musikdidaktische Begleitung in den Praktika unerlässlich. Auf eine hohe Qualifikation der Ausbildner sowohl in musikalischer wie in didaktischer Hinsicht ist grösster Wert zu legen. Defizite im Fach Musik können nicht nachgearbeitet werden; das haben Erfahrungen an Pädagogischen Hochschulen deutlich gezeigt.

Lehrkräfte der Sekundarstufe I  sollten als Fachkräfte für eine begrenzte Anzahl von Fächern ausgebildet werden, und das Fach Musik dürfte an Schulen der Sekundarstufe I nur von Absolventen dieses Studiums unterrichtet werden. Die Ausbildung der Lehrkräfte für die Sekundarstufe I im Fach Musik muss den Anforderungen für Schulmusik I der Konservatorien und Musikakademien entsprechen. Das beinhaltet auch das Studium eines Instruments als Zweitfach.

Nach der pädagogischen Grundausbildung ist in einer Eignungsprüfung zu ermitteln, ob die musikalischen Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten für die Eingangs- und die Primarstufe genügen, oder ob es besser wäre, die Sekundarstufe I zu wählen.

Wie bereits erwähnt, kommt der Vorbereitung, und damit den Gymnasien, eine große Bedeutung zu. Diese müssen nun die Verantwortung wahrnehmen, die bisher von den Lehrerseminarien getragen wurde, nämlich die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer in den musischen Fächern auf ihren Beruf vorzubereiten, und sie sind entsprechend in die Pflicht zu rufen. Das Wissen um die musikalische Zwischenprüfung an der Pädagogischen Hochschule wird Gymnasiasten, die sich für einen pädagogischen Beruf interessieren, zur Nutzung entsprechender Angebote in ihrer Schule beziehungsweise der Musikschulen veranlassen. Da ein Studium an einer Pädagogischen Hochschule mit jedem Maturitätsabschluss möglich ist, dürfen sich in keinem Maturitätsprofil Zeichnen/ Bildnerisches Gestalten und Musik gegenseitig ausschliessen.

Die Reaktionen waren meist unverbindlich im Sinne von „weiterleiten an die zuständigen Instanzen“, „prüfen“ und „bemüht sein“. Rückblickend muss ich feststellen, dass unsere Warnungen in den Wind geschrieben waren und unsere Forderungen bei weitem nicht erfüllt sind.

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